Das Abpumpen von Muttermilch und die
Aufbewahrung von Muttermilch

Muttermilch gewinnen durch Abpumpen mit einer Milchpumpe

Eltern fühlen sich sicherer, wenn stets eine bestimmte Menge an Muttermilch auf Vorrat im Gefrierschrank steht. Die Sicherheit immer etwas Milch vorrätig zu haben, löst vielleicht die Angst nicht genug Milch zu produzieren.

Abgepumpte Milch gibt auch den Eltern ein wenig Freiheit, wenn sie sich mal kurzzeitig nicht um das Baby kümmern können und die Oma das Baby mit abgepumpter Milch versorgt. Auch der Wiedereinstieg in den Beruf fällt der Mutter vielleicht leichter, wenn der Vater morgens das Baby versorgen kann, während die Mutter schon das Haus verlassen hat.

Es gibt zwei Möglichkeiten Milch aus der Brust zu gewinnen. Durch Abpumpen mithilfe einer elektrischen oder manuellen Milchpumpe und durch das Ausstreichen der Milch mit der Hand.

Die Handhabung der Pumpe ist in der Bedienungsanleitung zwar erklärt, manchmal muss eine erfahrene Frau den Gebrauch in der Praxis zeigen. Alle Teile der Pumpe müssen vor dem ersten Gebrauch ausgekocht werden. Mit gewaschenen Händen die Brust massieren und den Ansaugtrichter so ansetzen, dass sich die Brustwarze in der Mitte des Ansaugstückes befindet. Mit geringer Saugstärke beginnen und langsam steigern.

Bei den ersten Pumpversuchen wird die Mutter enttäuscht feststellen, dass nur wenige Tröpfchen gewonnen werden können. Es erfordert Übung und den richtigen Zeitpunkt, um mit der Milchpumpe eine ausreichende Milchmenge zu gewinnen. Eine Hebamme, die die Mutter nach der Geburt noch besucht oder eine Stillberaterin kann der Mutter die richtige Handhabung einer Milchpumpe zeigen. Ein unsachgemäßer Gebrauch der Pumpe kann zu Verletzungen und Schädigungen der Brust führen.

Beim natürlichen Stillen wird der Milchspendereflex durch die Oxytocin-Ausschüttung ausgelöst. Beim liebevollen Anblick des Kindes im Arm und bei liebevollen Gefühlen dem Kind gegenüber, wird Oxytocin ausgeschüttet. Beim Abpumpen ohne “Oxytocin-Vorbereitung” wird daher nicht viel Milch fließen.

Beim Anblick des Babys und vorher gegangene Wärmeanwendungen auf der Brust helfen den Milchspendereflex beim Abpumpen auszulösen.

Eine bessere Möglichkeit fürs Abpumpen ist der Zeitpunkt des Stillens. Während das Baby an der einen Seite saugt, wird an der zweiten Brust ebenfalls der Milchspendereflex ausgelöst. Beim Abpumpen an der zweiten Brust fließt die Milch viel effektiver in den Pumptrichter und in größeren Mengen.

Wie oft am Tag muss ich Milch abpumpen?

Es gibt nicht DIE eine Pumpe, mit der jede Frau am besten klar kommt. Manche Frauen können besser ihre Milch gewinnen, indem sie sie mit der Hand ausstreichen als mit der Milchpumpe abzupumpen. Die wiederholten Pumpbewegungen mit der Hand können sehr anstrengend werden. Mit voll automatischen elektrischen Milchpumpen wird die Milch an beiden Brüsten möglichst gleichzeitig abgepumpt.

Soll Muttermilch ausschließlich über die Flasche gegeben werden, sollte alle zwei bis drei Stunden, also acht- bis zwölfmal am Tag, und mindestens ein- bis zweimal in der Nacht abgepumpt werden. Nachdem sich die Milchproduktion eingestellt hat, reicht es etwa sechsmal am Tag abzupumpen.

Bei nachlassender Milchproduktion sollte nicht länger, sondern häufiger abgepumpt werden. Hierzu sollte mindestens eine Pumpzeit von mindestens 100 Minuten am Tag eingeplant werden. In der Regel reicht die Milch, die mehrmals täglich mit der Pumpe oder der Hand gewonnen wird, dazu aus die Brust soweit zu stimulieren, dass keine Zufütterung notwendig ist.

Das Ausstreichen von Muttermilch mit der Hand

Soll die Milch mit der Hand ausgestrichen werden, sollten sanfte Handbewegungen das Saugen des Babys an der Brust imitieren. Auch hier muss der Milchspendereflex ausgelöst werden. Das Brustgewebe zu quetschen oder daran zu ziehen, ist tabu, um nicht diese empfindliche Körperregion zu verletzen

Als Ausstreich-Technik wird die Brust mit zwei bis drei Fingern von außen zur Brustwarze hin massiert. Eine andere Technik ist mit Daumen und den restlichen Fingern ein U zu formen und in dieser Handhaltung von hinten nach vorne die Brust ausstreichen.

Wie wird abgepumpte Muttermilch aufbewahrt?

Muttermilch hat bakterienhemmende Eigenschaften. Daher kann sie im Kühlschrank länger aufbewahrt werden als industriell hergestellte Milch. Bei einer Kühlschranktemperatur von 4-6°C hält sich Muttermilch drei bis fünf Tage. Dennoch sollte sie am besten sofort verwertet werden. Bei Zimmertemperatur ist reife Muttermilch sechs bis acht Stunden haltbar. Das Kolostrum bis zu zwölf Stunden. Ein anschließendes Aufbewahren von Resten ist nicht möglich.

Steht abgepumpte Muttermilch einige Zeit, setzen sich ihre Bestandteile voneinander ab. Die Fettschicht schwimmt oben und die darunter abgesetzte Milch kann ihre Farbe in bläulich, gelblich oder bräunlich verändern. Durch Erwärmen und Schwenken der Milch werden die Bestandteile wieder vermischt.

Die sicherste und längste Aufbewahrungsmethode ist das Einfrieren bei mind. -18°C. Bis zu sechs Monate und länger ist gefrorene Muttermilch haltbar. Auch, wenn die Milch einen gelblichen Farbton aufgrund des Fettgehaltes annimmt und seifig schmecken sollte, stören sich die meisten Babys nicht daran.

Milch, die im Gefrierschrank aufbewahrt wird, dehnt sich aus. Die Gefrierbecher sollten daher bis zum Deckel zwei bis drei Zentimeter Luft haben.

Das Erhitzen von Muttermilch in der Mikrowelle ist nicht zu empfehlen. Stellenweise wird die Muttermilch an bestimmten Stellen zu stark erhitzt, was ihre Nährstoffe und antiinfektiöse Eigenschaften zerstört. Die beste Erwärmung ist im Wasserbad oder im Flaschenerwärmer. Übriggebliebene Milch darf nicht ein zweites Mal erwärmt bzw. verfüttert werden. Die übrig gebliebene und nicht verwertbare Milch ist ein wunderbarer Badezusatz für Babys Haut.

Ein Stück “Freiheit” mit abgepumpter Muttermilch

Oft ist der Hauptgrund von Müttern sich gegen das Stillen zu entscheiden die Angst Tag und Nacht an ihr Kind gebunden zu sein. Trotz eines erfolgreichen Stillstarts kann sich die eine oder andere Mutter mit ihrer neuen Rolle als “Milchspenderin” nicht wirklich identifizieren. Es fällt ihr schwer ihren alten Lebensstil mit gewissen Freiheiten aufzugeben. Sie hat ein besseres Gefühl lieber als zufriedene Mutter die Flasche zu geben als eine unglückliche Still-Mama zu sein.

Durch das Abpumpen von Muttermilch und dem Anhäufen eines gewissen Vorrats im Tiefkühlschrank kann die Mutter nachts auf den Vater zurückgreifen, der das Baby füttert. Auch ist es möglich sich zeitweise für einige Stunden mit einer Freundin zu treffen oder mit dem Partner mal auszugehen.

Auch während des Stillens kann die Mutter ggfs. telefonieren, lesen, Musik über Kopfhörer hören oder am Handy kurz die Nachrichten beantworten.

Auch, wenn Stillen von Außenstehenden vielleicht mehr mit Nachteilen verbunden ist, da Oma und Opa nicht so stark in die Betreuung des Babys eingebunden sind wie bei Flaschenkindern dies der Fall ist, hat auch die Flaschenfütterung seine Nachteile. Alle Flaschenbestandteile müssen mit dem Baby überall hin mitgenommen werden, abgekocht und sterilisiert werden und Milchpulver kostet Geld.

Eigentlich sind es nur die ersten sechs Lebensmonate, die eine Still-Mama als Ernährerin fordern. Mit der Einführung der Beikost und dem gestiegenen Interesse des Kindes am Familientisch die Speisen der Familienmitglieder auszuprobieren, ist die Mutter nicht mehr unentbehrlich. Verglichen mit der gesamten Dauer der Kindheitsphase und der Jugendzeit bis ins Erwachsenenalter ist die intensive Stillphase von sechs Monaten dagegen kurz.

Die Stillzeit ist dagegen einmalig und eine innige Zeit der Zweisamkeit und einem Hoch der Liebeshormone für sein Kind.

Themenrelevante Webseiten:

https://www.netdoktor.de/baby-kleinkind/milch-abpumpen/